Flashback 5. September 1972

Spätsommer 1972: letztes Schuljahr vor dem Abitur. Es ist Dienstag, der 5. September. Ein Klassenkamerad aus der Oberprima erwähnt in der großen Pause, Terroristen hätten im olympischen Dorf Geiseln genommen. Ich sage ungläubig, das wär‘s gerade noch. Terror im Nahen Osten war nicht unbekannt, aber jetzt bei Olympia?

Die Spiele in München – bis dahin toll: Mark Spitz gewann ein Gold nach dem anderen beim Schwimmen. Legendär am 4.9. Gold im Hochsprung für Ulrike Meyfarth. Vor dem Sprung absolute Stille im Stadion, danach brach unglaublicher Jubel aus. Wir hörten häufig auch „Auferstanden aus Ruinen“.

Nach der Schule schalte ich Zuhause den Fernseher an: kein Sport, nur ein Standbild von einem Balkon an grauem Betongebäude. Kein Ton. Im Radio melden sie was bis dahin geschehen ist. Ich komme vom Fernseher nicht weg, der Schock sitzt tief.

Am nächsten Morgen Trauermusik im Radio. Ich höre ungläubig, was in der Nacht passiert ist. Der Schock weicht dem Entsetzen. Die Spiele werden unterbrochen.

Das Weltfernsehen überträgt tags darauf die Trauerfeier, Fassungslosigkeit auf allen Gesichtern. Aber „The games must go on!“ Umstritten, aber wohl das Richtige. Olympia, die Bundesrepublik und der Nahe Osten sind danach für immer verändert.

Und das optimistische Weltbild eines damals 17-Jährigen hat einen dunklen Fleck erhalten.