Das Weihrauch-Experiment

Im Sultanat Oman spielt Weihrauch eine große Rolle. Vor vielen Laden- und Haustüren stehen incense burner, die Gast und Besucher mit wunderbarem Duft willkommen heißen. Zudem ist Oman der größte Weihrauch-Exporteur der Welt. Nicht von ungefähr: Die Heimat des Weihrauch-Strauchs, aus dem das Harz gewonnen wird, ist die Provinz Dhofar, die sich auch „Weihrauchland“ nennt.

Ich war im Januar dort. In einem Laden fand ich Weihrauch-Harz in Kilosäcken. Der Verkäufer gab mir ein Schäufelchen, mit dem ich ein Glas füllen konnte. Als ich ihn fragte, wie genau man denn nun vorgehe, demonstrierte er das an einem Weihrauch-Brenner. Ich kaufte den gleich mit. Heute Vormittag habe ich den Test im Garten gemacht – ohne „katholische“ Hintergedanken.

Denn vor einiger Zeit wollte ich mit einer Gruppe im südindischen Kochi (Cochin) zu Abendessen. Das wunderbare alte Hotel bot uns an, das im baumbestandenen Garten zu servieren. Wir zögerten, wissend um die Mückenplage an tropisch-feuchten Küsten. Das Hotel beruhigte uns: Der gesamte Innenhof war in Weihrauch getaucht, denn – so erklärte man uns – Weihrauch sei hervorragend gegen Mücken und Insekten. Wir dinierten in einem Hauch von Fronleichnam. Da ich einen mückenreichen Sommer bei uns erwarte, habe ich heute den Test gemacht.

Der Set

Zum Brenner gehört ein Vorratsbehälter für die Harzstückchen. Die füllt man – immer einen – in den Brenner (rechts)

Die Zutaten

Man benötigt gepresste Holzkohle. Der Verkäufer im Oman verkaufte mir auch gleich eine Packung von Golden Torch Coal, in goldenem Staub eingetauchte Kohlestückchen.

Die Aktion

Man zündet die leicht brennbare Kohle an und legt ein Stückchen Harz drauf. Der Effekt setzt sofort ein.

Ich hoffe, meine Nachbarn wundern sich nicht. Nun, so lange sie keine Orgelmusik hören müssen, werden sie hoffentlich den Duft genießen. Er vertreibt die Insekten, aber mehr noch: Er wirkt herrlich beruhigend und meditativ. Halt eben Weihrauch.