Weihnachten woanders

Bunte Papiersterne erhellen die Straße nahe der Kirche zur Unbefleckten Empfängnis. An improvisierten Verkaufsständen gibt es Schmuck und Kitsch zur Weihnachtsdeko, aus Plastik und Pappe.

Am Heiligabend versammeln sich Familien um und in der Kirche zur Christmette, die über Lautsprecher nach Außen übertragen wird. Lieder und Texte sind in Tamil. Ein Kommen und Gehen, vermischt mit dem üblichen Verkehrschaos.

Still wird die Nacht hier im südindischen Pondicherry erst später, aber die Freude über das Fest springt über auf alle, Hindus und muslimische Nachbarschaft gleichermaßen. Familienfeste teilen sich alle Kulturen.

Die Ausländer und Expatriates versammeln sich zum Gottesdienst (in Französisch) in der neoklassischen Kathedrale Notre Dame des Anges. Sie liegt an der Uferpromenade, das Meer ist kaum zu vernehmen. Stille Nacht!

Unser Hotel in der Altstadt von Pondicherry hat eine Krippe in der Rezeption aufgebaut. Die Lichterketten am Plastiktannenbaum blinken unentwegt.

Es ist eine warme Nacht, typisch für die Region am Golf von Bengalen und nur zehn Breitengrade nördlich des Äquators.

Vor unserem Rückflug besuchen wir den St. Thomas Mount, ein Felsenhügel direkt am Flughafen Chennai/Madras. Hier starb der Apostel Thomas (ja der Ungläubige, sozusagen der „Querdenker“ unter den Zwölfen) der Legende nach den Märtyrertod. Eine fast lebensgroße Krippe in landestypischer Bauweise ist unterhalb der kleinen Kapelle aufgebaut. Der Lärm landender Jets überfällt die Stille auf dem Hügel im Minutentakt.

Zwei silberne Engel bewachen die Szene aus Reisstroh und einem Dach aus getrockneten Palmwedeln. Auf ihre Art vielleicht näher dran an der Situation in Bethlehem vor gut zweitausend Jahren als Designerkrippen bei uns.

Der Weihnachtsmann (?) weiter unten am Pfad steht eher als Karikatur oder Bote einer fremden Welt. Er könnte auch einen Tempel irgendwo in Tamil Nadu schmücken.

Weihnachten in Südindien findet sich aufgereiht zwischen Diwali, dem Lichterfest der Hindus, und Pongal, dem Neujahrsfest der Tamilen. Allesamt Feste, die das Leben feiern, im Kreis von Familie und Nachbarn.

Frohe Weihnachten, wo immer ihr seid!

2 Gedanken zu “Weihnachten woanders

    1. Herzlichen Dank für die Anmerkungen und Weihnachtsgrüße nach Südindien. Die Bilder sind vor ein paar Jahren entstanden, als wir mehrmals um die Weihnachtszeit aus beruflichen und privaten Gründen in Tamil Nadu waren. Aber die Erinnerungen sind so frisch, dass sie es mir Wert waren zu teilen.

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