Plädoyer für die Klarsichthülle

Gestern, Tag 1 von 2G plus in Niedersachsen: Ich gehe am Nachmittag zum Schwimmen ins Hallenbad. Undramatisch? Am Eingang stelle ich kurz meine Tasche ab, um die Hände zu desinfizieren. Ich nehme dann das Handy in die Hand rufe die Luca-App auf und scanne den QR-Code. Dabei gehe ich – zeitoptimierend langsam – auf den Kassenschalter zu, zeige die Bestätigung der App vor und sage „Einmal Schwimmen bitte!“ In der Zwischenzeit habe ich auf der Covid Warn-App das Impfzertifikat aufgerufen, die Dame an der Kasse tippt auf mein Handy, um die Gültigkeit zu prüfen. Okay. „Ihren Personalausweis hätte ich dann gern gesehen!“ Okay. Ich greife zum Geldbeutel mit den Plastikkärtchen und finde ihn schnell. Klasse.

Das heutige Schnelltest-Zertifikat? Klar, kam per E-Mail aufs Handy. Ich rufe dort die Mail-App auf, scrolle die eingegangenen Mails auf und ab, finde die des Testzentrums und tippe auf „Anhänge“. Das pdf des Zertifikats lässt sich nur mit Passwort öffnen, welches noch gleich? Zum Glück hatte ich es schon ausgedruckt und in einer Klarsichthülle zwischen den Badesachen. Bezahlen wie? Bargeldlos, mit EC-Karte.

Ich stapfe unter FFP2-Maske zu den Umkleideräumen, es ist ganz still. In der Badehalle beleuchtet blaues Licht ein spiegelglattes Becken, romantisch. Drei Aufsichtspersonen beobachten mich als einzigen Gast, der sich zum Schwimmen wagt. Unheimlich.

Zwischen Plastikkärtchen suchen oder Apps öffnen und schließen gibt mir die Klarsichthülle Sicherheit. Sie verschwindet nicht vom kleinen Bildschirm, funktioniert auch ohne Strom. Und so beginnen wir unsere nächste Reise mit drei Hüllen in der Handtasche: die Bordkarten für den Flug samt QR-Code, die Vouchers für Hotel und Mietwagen und den gebuchten Flufghafenparkplatz mit ausgedrucktem QR-Code. Sicher ist sicher, wehe wenn der Handy-Akku den Geist am Schalter aufgibt.

Die Klarsichthüllen machen uns alle zu Beamtenseelen, die auf Nummer sicher gehen. Aber das ist es was wir suchen, in weiß Gott unsicheren Zeiten.