Zwischen Totensonntag und Black Friday

100.000 Tote durch Corona melden sämtliche Medien – in Deutschland. In der Welt sind es mehr als 5 Millionen. Wen sollen solche Meldungen erreichen? Wen machen sie betroffen? Es ist die Verzweiflung der Medienschaffenden und Clickbaiters, uns noch irgendwie Einfühlsamkeit oder Nachdenken abzugewinnen. Spätestens wenn das Werbebanner einer Autofirma oder eines Handyvertrags daneben auftaucht, ist klar, worauf es ankommt.

Tod und Sterben wird erst konkret, wenn wir von Schicksalen im Bekanntenkreis betroffen sind. „Sterben müssen wir alle“ sagen die Zyniker. Und überhaupt: stimmen denn die Zahlen? Beerdigungsinstitute, Krematorien, Friedhofsangestellte, aber mehr noch Trauerbegleiter, Ärzte, Beschäftigte auf Intensivstationen begegnen dem Sterben jeden Tag. Sie haben in unserer Öffentlichkeit keine Stimme, Sterben ist ein Tabu.

Die Irish Times in Dublin ist eine Ausnahme. Sie stellt die Schicksale von an Covid Verstorbenen in Text und Bild vor: bei uns aus presserechtlichen Gründen nicht machbar?

Übrigens: 27 Flüchtlinge ertranken gestern im kalten Wasser des Ärmelkanals, im Europa des Jahres 2021. Die Medien zeigten uns blinkende Lichter von Polizei- und Rettungsfahrzeugen im Dunkeln. Ertrunkene Kinder wollen wir vor den Black Friday-Angeboten nicht wirklich sehen. Ein schwarzer Freitag, wie alle 80 oder so Freitage der vergangenen 20 Monate.

Infographiken zur Pandemie in Deutschland auf der ZDFheute Webseite

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