Besuch bei Max, Moritz und Hans Huckebein

Eine steile Stiege führt ins Obergeschoss des alten Pfarrhauses in Mechtshausen. In dem kleinen Dorf bei Seesen am Harz verbrachte Wilhelm Busch, der Erfinder der Streiche von Max und Moritz, die letzten zehn Jahre seines Lebens. Er starb hier am 9. Januar 1908.

Im oberen Flur zeigt eine Tafel die Erzählung von Hans Huckebein. Der Unglücksrabe steht auf einem kleinen Tisch neben der Karaffe mit Likör, der ihm zum Verhängnis wurde. Denn er konnte es nicht lassen und musste den süßen Saft probieren. „Ei, ei! Ihm wird so wunderlich, so leicht und doch absunderlich.“ Schließlich verstrickt er sich „voll roher Lust und Tücke (in) der Tante künstliches Gestricke„, verliert das Gleichgewicht, „der Tisch ist glatt, der Böse taumelt, das Ende naht, sieh da. Er baumelt!

Von hier gelangt man in die beiden Kammern, die Wilhelm Busch bewohnte. Er war 1898 zur Familie seines Neffen gezogen, der eine Pfarrerstelle in dem Dorf bei Seesen erhalten hatte. Zwei Jahre lang ahnte niemand außerhalb des Hauses, wer hier eingezogen war. Erst als zu seinem 70. Geburtstag Glückwünsche aus ganz Europa das Dorf erreichten, kam die Prominenz des neuen Mitbürgers zum Vorschein. Die Glückwunschkarten (und andere persönliche Gegenstände des Dichters aus einen letzten Lebensjahren) sind im Erdgeschoss des Gebäudes zu sehen.

Links oben in der Karte: Wiedensahl, rechts unten Mechtshausen

Mitten im Ort steht eine Skulptur der beiden Spitzbuben. Mag sein, dass der Dichter Spuren aus seiner Kindheit hier literarisch verarbeitet hat. Aber die verbrachte er gut 100 km Luftlinie weiter nordwestlich im Schaumburger Land.

Vom Pfarrhaus in Mechtshausen ist es ist nur ein kleiner Spaziergang zum Friedhof am Dorfrand. Versteckt von Büschen und ein wenig verwittert findet man den Grabstein des jedem Kind bekannten Dichters.

Grabstein in Mechtshausen

Gestern sind wir in den Geburtsort Buschs unweit von Stadthagen gefahren. In Wiedensahl, ebenfalls in einem Pfarrhaus, kam Busch am 15. April 1832 als ältestes von sechs Kindern zur Welt. Das schmucke Straßendorf hat heute knapp 1000 Einwohner, sein Geburtshaus wurde in ein Museum verwandelt.

Der Besucher lernt die Person Wilhelm Busch jenseits seiner Bildgeschichten, seines trefflichen Humors und der präzisen Beobachtung seiner Umwelt kennen. Er wollte Maler werden und sein Erfolg als Zeichner von einprägsamen Figuren entsprang eher einem Hobby. Trotz Stationen in Hannover, Düsseldorf, Antwerpen und München blieb er der Heimat und der Provinz treu, aus dem er seine Ideen schöpfte.

Geburtshaus von Busch in Wiedensahl

Die meisten von uns haben in der Jugend wohl „Das große Wilhelm Busch Album“ gelesen (immer noch im Buchhandel zu finden), mindestens natürlich „Max & Moritz“. Ihr Schöpfer gehört zu den großen deutschen Literaten des 19. Jahrhunderts und hat Tucholsky oder Loriot beeinflusst.

Wer auf der A7 bei Seesen im Stau steht, der sollte die Gelegenheit nutzen, abzufahren und Buschs Ort seiner letzten Lebensjahre in Mechtshausen besuchen. Wer nicht mit einem Schmunzeln über Lehrer Lämpel, „Die fromme Helene“, dem Raben Hans Huckebein oder „Plisch und Plum“ zurück auf die Autobahn fährt, dem ist nicht zu helfen.

Informationen:

Webseite zu Wilhelm Busch von Jörg Spieler (Kathrinhagen)

Webseite der Wilhelm-Busch-Gesellschaft, Hannover

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