Vulkane – häufiger, als man denkt

Es riecht nach Schwefel, als unser kleines Fährboot vom sizilianischen Festland anlegt. Der Name der Insel lässt keine Zweifel über den Ursprung des teuflischen Geruchs: Vulcano*. Sie gehört zur Gruppe der Äolischen Inseln, wahre vulkanische Hotspots. Mit dem Stromboli verfügen sie über einen unentwegt tätigen Vulkan. *siehe Aufmacherfoto

Am anderen Ende des EU-Territoriums, auf den Kanaren, ist derzeit die Hölle los. Der Cumbre Vieja auf La Palma macht den Besuchern und Bewohnern der Ferieninseln klar: Du tanzt auf dem Vulkan. Von Teneriffa und Gran Canaria bis Lanzarote dominieren Vulkankegel, Lava und heiße Quellen die Landschaft der Kanaren.

Vulkane haben mich immer fasziniert, vom Merapi auf Java über den Sakurajima im japanischen Kyushu bis zum Ätna, dem Vesuv oder den Kraterresten auf Santorin. Und ich würde gerne die markanten Kegel in Chile, Mexiko und Neuseeland, auf den Philippinen und Kamtschatka sehen, alle entlang des „Pazifischen Feuerrings“ – allein, mein Reisebudget reicht dafür nicht hin.

Bromo-Vulkane auf Java

Dabei muss man gar nicht weit reisen, Vulkane und deren Spuren gibt es in vielen Regionen in Deutschland (die heißen Quellen unserer Kurorte will ich dabei gar nicht einmal mitzählen).

Nehmen wir die Vulkaneifel: Der Laacher See ist ein geologisch noch aktiver Vulkan, die Spuren seines letzten Ausbruchs vor 10.000 Jahren reichen weit in die Umgebung. Steinbrüche und Abbaugruben dokumentieren, dass Vulkane auch Wohlstand bringen. Wer von Koblenz oder dem Kloster Maria Laach Richtung Trier fährt, kann die Kuppen alter Vulkankegel leicht identifizieren.

Noch geheimnisvoller sind aber die Eifelmaare, Kraterseen von einst aktiven Vulkanen. Sie verstecken sich geradezu in einer Wiesen- und Waldlandschaft. Es genügt an der Abfahrt Schalkenmehren die A1 /A 48 zu verlassen, die Hinweisschilder besorgen den Rest der Orientierung.

Die drei benachbarten Maare sind ganz unterschiedlich tief und groß. Man kann sie mit einer einzigen Tageswanderung erkunden (und im kleinsten, dem Gemündener Maar, sogar schwimmen). Es fällt schwer, dabei an feuerspeiende Trichter zu denken.

Ein Beitrag in der online-Ausgabe des britischen GUARDIAN, verfasst vom Wissenschaftsautor Robin George Andrews, beantwortet viele Fragen zum Vulkanismus.

Warum leben Menschen überhaupt in der Nähe von Vulkanen?

Etwa 800 Millionen Menschen leben im Umkreis von 100 Kilometern um einen aktiven Vulkan – einer, der grob gesagt das Potenzial hat, irgendwann in der Gegenwart auszubrechen. Solche Lebensbedingungen mögen für Menschen, die in Großbritannien ohne aktive Vulkane aufwachsen, seltsam klingen, aber manchmal ist es eine Entscheidung. Vulkane bieten unzählige Vorteile: fruchtbarer Boden, ein Knotenpunkt für zahlende Touristen, ästhetische Schönheit, spirituelle oder kulturelle Bedeutung und so weiter. … Die kurze Antwort ist jedoch, dass die Menschen auf oder in der Nähe von Vulkanen leben, weil dies ihre Heimat ist und dies schon immer war. Das einmalige Risiko, dass ein Vulkan ausbricht und sie tötet oder ihr Zuhause zerstört, scheint ein seltsames Risiko zu sein, das man akzeptieren muss. Aber Sie könnten sich auch fragen, warum jemand in Florida lebt, das jedes Jahr von immer heftigeren Hurrikanen heimgesucht wird, oder warum jemand in den Städten über der kalifornischen San-Andreas-Verwerfung lebt, die bald ausbrechen wird.

Die eigenartige Symbiose von Mensch und Vulkan ist auch in der modernen Vulkanologie ein Forschungsthema, kann doch ohne einen anthropologischen Ansatz keine Kooperation der Menschen bei der Gefahrenabwehr erwartet werden. Andrews beendet seinen Beitrag im GUARDIAN so:

An jedem Tag brechen weltweit zwischen 20 und 40 Vulkane aus. Es wäre viel seltsamer, wenn keine ausbrechen würden. Die Erde hat einen gesunden geologischen Herzschlag, und ausbrechende Vulkane sind ihre Art, sich abzukühlen und dabei neues Land zu schaffen. Diese oft betörenden, wunderschönen Berge glühender Wut sind der Preis, den wir zahlen, und das Privileg, das uns gewährt wird, diese Welt – eine paradiesische Insel in einem unversöhnlichen Sternenmeer – unser Zuhause zu nennen.

Schöner kann man es nicht formulieren. Es hilft auch, das bedrohliche und zugleich faszinierende Naturereignis auf La Palma besser zu verstehen.

Menschen und Vulkane auf den Kapverden. Aljazeera online 13.10.2021

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