Wie Corona Vertrauen zerstört – und mehr

Es gibt Regionen auf dem Erdball, die schienen mit der Pandemie einigermaßen klar zu kommen: Südostasien hatte schon Erfahrung mit Sars-Viren und handelte im Februar 2020 umgehend. Infektionen und Todesraten blieben niedrig, im Gegensatz zum amerikanischen Doppelkontinent oder Europa. Aber dieses Bild hat sich nahezu schlagartig geändert.

Jetzt stellt sich heraus, dass jene Schwellenländer mit vergleichsweise hohem wirtschaftlichen Entwicklungsstand schlecht auf gefährlichere Varianten des Virus vorbereitet sind, insbesondere was Impfungen betrifft. Hier scheint man sich in falscher Sicherheit gewogen zu haben, zumal Thais, Malaysier und Indonesier nicht bekannt sind für dramatisierende Worte. Das Lächeln der Menschen Südostasiens in jeder Lebenssituation ist ihr „default status“, Kritik und Fehlschläge werden (meist von den Regierenden) als unangemessen und peinlich angesehen.

In Yogjakarta, Indonesien

Die Pandemie hat sich, verfolgt man die Berichte in den online-Zeitungen aus der Region, inzwischen zu einer gesellschaftlichen und zunehmend politischen Krise ausgeweitet. Der Fleiß und die Geschäftstüchtigkeit, die zum wirtschaftlichen Erfolg der Region beigetragen haben, läuft im Lockdown – von oben angeordnet – ins Leere. Der staatstragende Mittelstand stürzt ab, ohne dass es nennenswerte staatliche Unterstützung gäbe.

Das alles untergräbt den letzten Rest von Vertrauen, den die Bürger in den Staat und seine Institutionen haben. Er entblößt mehr noch die enorme Kluft zwischen Reich und Arm, besser noch: ganz arm.

Noch ist es ruhig auf den Straßen von Bangkok, Kuala Lumpur oder Jakarta. Aber wenn es zum Beispiel eine zweite Saison ohne Tourismus gibt – wovon Millionen in Thailand oder Bali leben – oder der Dienstleistungs- und informelle Sektor durch Lockdowns weiterhin zum Stillstand kommt, wird es eng für die Herrschenden.

Was derzeit in Kuba oder Südafrika geschieht, beides Länder mit gänzlich unterschiedlichen politischen und kulturellen Strukturen, ist ein Menetekel. Man kann nur wünschen, dass die Eliten in Südostasien sich „am Riemen reißen“. In Malaysia sind solche Appelle in der Presse immer deutlicher zu hören. Dennoch, der Wille zu gesellschaftlicher „Harmonie“ ist angesichts existenzbedrohender Entwicklungen nur begrenzt wirksam. Es wäre für die Region – und für uns – ein Drama, wenn Corona das Erreichte zunichte machte.

Aktualisierung am 30.9.2021

„How Asia … is revving up inoculations“ New York Times, 30. September 2021

Zeitungsartikel online:

A leader’s pride comes before the Covid-19 fall. Bangkok Post, 13. Juli 2021

Malaysia logs new high of 11,079 cases amid worries of a spiralling crisis. The Straits Times, Singapore, 13. Juli 2021

Concerns over livelihood outweigh Covid-19 fears in Thailand’s deep red zones. The Straits Times, Singapore, 13. Juli 2021

Health DG: Malaysia in a ‚very critical condition‘ New Straist Times, Kuala Lumpur, 13. Juli 2021

Vaccine profiteering. The Jakarta Post, 13. Juli 2021

The Pandemic has a new epicenter: Indonesia. New York Times, 18.7.2021

2 Gedanken zu “Wie Corona Vertrauen zerstört – und mehr

    1. Danke für Deinen Kommentar. Ja, Kuba hat wohl seinen eigenen Impfstoff, und das ist auch gut so. Die Proteste dort haben sicher wirtschaftliche Gründe. Thailand produziert Astra in Lizenz, aber wohl nicht schnell genug. Malaysia und Indonesien waren auf Sinovac angewiesen, geschenkt oder kostengünstig. Deren Wirksamkeit lässt zu wünschen übrig. Ansonsten ist der Impfungsmarkt „leergefegt“ – aber die Länder Südostasiens haben auch zu spät reagiert. Im Übrigen: Deine Kommentare sind immer willkommen! Danke nachmals.

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