Northshore: von Duluth nach Grand Portage

Unser Englisch- und Erdkundelehrer ließ uns immer wieder „Duluth“ nachsagen, zur Übung des Lispelsounds. Hätte er uns erzählt, dass Duluth der Geburtsort von Bob Dylan war, wir hätten den sicher schneller beherrscht. Denn Blowin‘ in the Wind sangen wir schon damals auf Klassenfahrten.

Die Tour entlang des Nordufers vom Oberen See (Northshore Lake Superior) unternahmen wir in einem milden September vor zehn Jahren auf den Rat von Freunden in Minneapolis. Sie führte uns von Duluth bis an die kanadische Grenze bei Grand Portage.

Duluth war mir aus dem Erdkundeunterricht aber auch in Erinnerung, weil es der am tiefsten im nordamerikanischen Inland gelegene Hafen war, von dem Eisenerz über die Großen Seen und den St. Lorenz Strom an die Atlantikküste transportiert wurde. Eine Hebebrücke, welche die Einfahrt zum Hafen markiert, ist das Wahrzeichen der Stadt.

Ansonsten ist Duluth sehr uniform. Die Innenstadt ist winterfest, Skywalks verbinden die Blocks, so dass man im Winter – und die sind in Minnesota legendär – in leichter Kleidung von Laden zu Laden spazieren kann.

Auf den Spuren von Bob Dylan hätten wir weiter nach Norden fahren müssen: Die Familie zog 1946, als Robert Zimmermann (so sein richtiger Name) fünf Jahre alt war, nach Hibbing in die Eisenerz-Region. Der Literaturnobelpreisträger wird übrigens am 24. Mai 2021 80 Jahre alt.

Wir ließen Duluth hinter uns und fuhren bis Silver Bay. Dort, nördlich des Erzhafens am Black Beach fanden wir ein Hotel mit verlässlichem Standard. Das Zimmer war riesig und hatte einen Whirlpool gleich neben dem Bett. Vom Balkon konnte man die grandiosen Sonnenaufgänge über dem Lake Superior beobachten.

Es gibt nur wenige Beaches am Nordufer. Wem Kälte nichts ausmacht, der kann auch bei Grand Marais schönen Strand mit hellem Sand genießen.

Der landschaftliche Reiz des Northshores liegt aber in den Steilküsten, den Wasserfällen und Schluchten zum See hin.

Im Hinterland bieten Abschnitte des Superior Hiking Trails viele Möglichkeiten zu Wanderungen durch die Wälder Minnesotas.

Split Rock Lighthouse

Nur wenige Kilometer vorm Grenzübergang ins kanadische Ontario findet sich eine Spur früheren Wohlstands in der Region: das Grand Portage National Monument. Es war im 18. Jahrhundert eine Handelsniederlassung der North West Company (die noch bis in jüngste Zeit als Northwest Airlines überlebte).

Innerhalb eines durch Palisaden befestigten Compounds wurden vor allem Pelze gehandelt. Die Indianer kamen hier hin oder Trapper zogen bis weit nach Norden an die Grenzen von Alaska. Neben Briten und Franzosen war es auch ein Deutscher, Johann Jakob Astor, der so zum reichsten Mann Nordamerikas und später in New York größter Immobilienbesitzwer wurde.

Eien junge Frau in historischer Tracht führte uns durch die historische Anlage und erklärte die einstigen britisch-fanzösischen Rivalitäten. Es war der 11. September, die Flaggen hingen auf Halbmast, aber New York war hier, bei den Pelzhändlern aus Kanada so weit weg wie der Mars.

Wer einen einsamen Urlaub mit Wandern und Camping sucht, der ist am Nordufer des Lake Superior bestens aufgehoben. Aber nicht vergessen, einige CDs der frühen Bob Dylan-Songs mitzunehmen.