Von Entbehrung zum Wohlstand

Auf dem Weg zu den Moreeb-Dünen im Süden Abu Dhabis, an der Grenze zu Saudi-Arabien, machten wir Rast in einem Starbucks an der Straße. Auf den Sanddünen im Hintergrund spazierten Kamele.

In dem Monat, in dem Menschen muslimischen Glaubens zwischen Sonnenauf- und -untergang fasten, fiel mir ein, wie stark der Wandel vom entbehrungsreichen Leben der Beduinen, wo Fasten keine Option, sondern Hunger und Durst zum Alltag gehörten, bis zum heutigen materiellen Wohlstand in den arabischen Emiraten gewesen ist.

Selbst in jenem „Leeren Viertel“ (Rub al-Chali), dem lebensfeindlichsten Teil der arabischen Halbinsel, ragen Handymasten aus den Dünen, führen geteerte Straßen zu Freizeiteinrichtungen (dune bashing) oder zu Ölförderstellen.

Kamelzucht ist ein Hobby und Kamelrennen sind ein beliebter Wettbewerb. Später auf der Reise saßen wir in einem Cafe in Al-Ain, an der Grenze zu Oman, wo die junge Generation Fragen des Tages diskutiert.

Abu Dhabi hat sich vom Freizeit- und Shopping-Image des benachbarten Dubai etwas abgesetzt, aber auch hier spielt Tourismus eine bedeutende Rolle. Wer zwischen Ferrari World oder Abu Dhabi Louvre etwas zur Geschichte und zum Wandel in den Emiraten erfahren will, dem sei ein Besuch im erst vor Kurzem restaurierten und als Museum neu konzipierten Qasr Al-Hosn empfohlen. Die alte Stadtburg von Abu Dhabi liegt heute fast versteckt zwischen den Glastürmen der City.

Noch bis in die 1960er Jahre lag sie am Rand der Siedlung und war Sitz der Herrscherfamilie. Heute kann man mit moderner Museumskonzeption die Geschichte Abu Dhabis von der Raststätte an der Karawanenroute zum Dienstleistungs- und Bankenzentrum nachverfolgen. Das alles hat in der Lebenszeit (m)einer Generation stattgefunden.

Im benachbarten „House of Artisans“ werden traditionelle Handwerkstechniken und -produkte vorgeführt, die in den Auslagen der großen Malls heute nicht mehr zu finden sind.

Besonders beeindruckt hat uns dort eine Bait Al Gahwa-Zeremonie. Junge Emiratis erläuterten in einem nachgebauten Beduinenzelt, wie einst Kaffee zubereitet wurde, mit rösten, zerstampfen und dann mit Kardamon anreichern. Nicht allein das Endprodukt, der Kaffee in einer kleinen Tasse, sondern die Zubereitung mit dem Klang der Messinggefäße war das, worauf es ankam. Allein an diesem Beispiel wird offensichtlich, wie weit der Weg von der Bait Al Gahwa bis zum Starbucks in der Wüste gewesen ist.

Ein Gedanke zu “Von Entbehrung zum Wohlstand

  1. Sehr interessant. Und ein lustiger Zufall zum Kaffee. Gerade vor zehn Minuten habe ich mich beim Kaffeemahlen an eine Reise nach Jordanien erinnert, wo ich das erste Mal mit Kardamon vermischten Kaffee getrunken hatte. Und nun auf einmal dieser Beitrag hier 🙂

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