Savannah: Georgia on my mind

Georgia hat das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen entscheidend mitbestimmt. Und jetzt ist auch noch die republikanische Mehrheit im Senat durch die Wähler Georgias „Vom Winde verweht“ worden. Mir kamen bei diesen Nachrichten Bilder einer Reise nach Savannah wieder in den Sinn.

Straße im Zentrum von Savannah
Wahlergebnisse Senatswahlen in Georgia, 6.1.2021 Quelle: New York Times. nytimes.com

Savannah gehört zu den blauen Flecken in Georgia. Bei den Nachwahlen zum US-Senat haben hier die Kandidaten der Demokraten gewonnen, knapp wie überall. Das ist erstaunlich, weil die Hafenstadt im Südosten Georgias eher konservativ wirkt: Die Altstadt wird beherrscht von den Villen aus der Zeit des Baumwollhandels.

Was für ein Kontrast, an jenem heißen Sommertag. Wir kamen aus Atlanta mit seinen Glastürmen. Hier baumbestandene Straßen und Plätze, breite Bürgersteige und die Bäume im Forsyth Park mit Spanish Moss behangen. Wie eine Filmkulisse.

In seinem Buch „Midnight in the Garden of Good and Evil. A Savannah Story“ (1993) zeichnet der Autor John Berendt, selbst aus New York stammend, das Profil einer skurilen Südstaaten-Gesellschaft, die von Standesdünkel und Rassenunterschieden geprägt ist. Berendt entwickelt daraus Porträts, die aus der Zeit gefallen scheinen (das Buch wurde 1997 verfilmt, siehe Trailer unten).

Im Mittelpunkt des Buches steht Jim Williams (im Film gespielt von Kevin Spacey!), Besitzer des Mercer Houses und Antiquitätenhändler von zweifelhaftem Ruf. Williams und seine Parties sind Dreh- und Angelpunkt des Social Life in Savannah. Umso skandalöser der Mord an dem jungen Danny Hansford (‚a walking streak of sex‚), der im Mercer House ab und an zu Diensten ist und für den Williams angeklagt wird. Sein Prozess und die Verurteilung wegen Mordes im Berufungsverfahren sind die zentralen Bestandteile des Buches. Berendt betrachtet die städtische Gesellschaft, zu der auch die Drag Queen Chabil gehört, eher als  Reporter denn als Essayist.

In den fast 30 Jahren, seit dem Berendts Buch erschienen ist, haben sich die urbanen Zentren wie Atlanta und Savannah demographisch und sozio-ökonomisch stark gewandelt. Viele Schwarze sind gesellschaftlich aufgestiegen und politisch selbstbewusst geworden. Bei den Wahlen von 2020 können sich die Demokraten bei ihnen bedanken. Junge Fachkräfte aus dem Norden sind in den Süden gezogen, der mit seinem mediterranen Klima hier noch nicht die tropische Schwüle Floridas erreicht. Der Südstaatencharme und die Gentrifizierung in der Altstadt machen Savannah zu einem attraktiven Wohnort (und Touristenziel).

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Zwar ist das „flache Land“ weiterhin konservativ (und politisch tief rot = republikanisch), aber der Wandel in Georgia könnte sich irgendwann auch im benachbarten South Carolina oder sogar in Alabama wiederholen. Immerhin war schon vor über 50 Jahren einmal ein Erdnussfarmer aus Georgia US-Präsident. Wir sollten also weitherin mit Ray Charles singen: Georgia, Georgia the whole day through. Just an old sweet song, keeps Georgia on my mind.

Georgia organizers elation at election victories … THE GUARDIAN online 9 Januar 2021