Ein trügerisches Paradies an der Sunda-Straße

Alles hier ist paradiesisch: der Strand, die Palmen, der Pool und der Garten der Hotelanlage. So war es auch am Abend des 22. Dezembers 2018, berichtet Yadi. Der 38-Jährige ist Lifeguard. In der Dunkelheit, gegen 21 Uhr, prallte plötzlich eine gewaltige Welle über den Strand, den Pool und die Restaurants, ja weit in die kleinen Chalets des Hotel hinein. Ein Tsunami aus dem Nichts, ohne Vorwarnung und ohne ein Erdbeben, das eine solche Welle angekündigt hätte.

Er selbst wurde ins Meer gesaugt, konnte sich aber zusammen mit zwei Frauen an einem Baumstamm festhalten. Die nachfolgenden Wellen warfen sie immer wieder zurück. Die scharfen Lavafelsen und Korallen schürften seine Haut auf (er zeigt mir Bilder von seinem Krankenhausaufenthalt, der Schock steht ihm auf den Fotos im Gesicht). Sein Kollege von der Hotelbar ist Nichtschwimmer. Er konnte sich an einem Baum festhalten, bis der Spuk vorüber war. Alles habe kaum fünf Minuten gedauert, meinte Yadi. Mehr als 400 Menschen kamen an jenem Abend hier an der Sunda-Straße ums Leben. „But I am a survivor“, sagt Yadi. Er ist verheiratet und hat einen fünfjährigen Sohn, der um ein Haar seinen Vater verloren hätte.

An diesem Baum konnte sich der junge Barkeeper festhalten

Der Grund für den Tsunami blieb zunächst rätselhaft. Aber Geologen haben analysiert, dass eine gewaltige Hangrutschung vom Krakatau ihn ausgelöst hat. Das Google Maps Foto zeigt eine helle Stelle an der westlichen Flanke des Vulkans.

Die Verwüstungen in der Hotelanlage waren weitreichend. Aber nach drei Monaten waren die meisten Schäden beseitigt. Kaum zu glauben, wenn man diese wunderbare Anlage heute sieht. Man findet aber noch Spuren: zerstörte Wege und noch nicht wieder aufgebaute Hütten in der Nachbarschaft. Vor allem aber liegen große Felsblöcke Dutzende Meter entfernt vom Strand, die der Tsunami mit seiner gewaltigen Kraft aufs Land geworfen hat.

Schild an der Zufahrt des Hotels, aber im Dez. 2018 wenig hilfreich

Das ist Segen und Fluch der Inselrepublik Indonesien: eine traumhafte Landschaft mit Dschungel, Reisfeldern, Vulkankegeln und herrlichen Stränden. Aber die Inseln liegen am Rand des „Pacific Ring of Fire“. Hier in der Sunda-Straße treffen Indischer Ozean und Südchinesisches Meer aufeinander. Und an dieser Nahtstelle der Indischen und Asiatischen Platte liegt der Krakatau, dessen Ausbruch 1883 so gewaltig war, dass der Vulkan in drei Teile zerfiel, in deren Mitte ein neuer Kegel aus dem Meer auftauchte. Die Schallwellen waren über Hunderte von Kilometern zu hören, die Asche zog rund um den Globus. Und hier vom Tanjung Lesung aus ist dieser unheilvolle und zugleich eindrucksvolle Kegel mit bloßem Auge zu erkennen.

Schemenhaft in der Abendsonne: der Krakatau vom Tanjung Lesung aus.

Weitere Informationen:

Ausbruch des Krakatau 1883 (in Englisch) auf Wikipedia

Der Tsunami vom Dezember 2018 auf Wikipedia 

Tsunami Warning on Banten coast, Aljazeera.com 2 August 2019 

Webseite des USGS zur Region Banteng