Malacca: Megaprojekte auf Sand

Wie in anderen Metropolen Asiens wird in der malaysischen Stadt Malacca (auch: Malakka und Melaka) rapider urbaner Wandel zum Prinzip. Lange hatte das Welthandelszentrum des 15. und 16. Jahrhunderts, nach dem auch die Meeresstraße zwischen Sumatra und der malayischen Halbinsel benannt wurde, im Dornröschenschlaf gelegen. Zwar wurden Kriege um diesen Knotenpunkt des Frühkapitalismus geführt – ein portugiesischer Zeitgenosse schrieb schon 1520: „Wer Malacca besitzt, hat die Hand an der Kehle Venedigs“ (eine erstaunlich globale „Perspektive“ weniger als 30 Jahre nach der Entdeckung Amerikas), aber mit dem Aufstieg Singapurs und seines weitaus besseren Hafens verfiel Malacca schon im 19. Jahrhundert in die Bedeutungslosigkeit.

1979 liefen nur noch ein paar Lastboote in den Hafen ein, die von Hand entladen wurden. Heute, gut 38 Jahre später, ist von dieser Beschaulichkeit nichts mehr zu finden. Der historische Kern um den Bukit (=Hügel) St. Paul und die Händlerstadt nördlich des Malacca-Flusses (die Bausubstanz ist aus holländischer Zeit) wird „eingemauert“ von Hotel- und Appartmentkomplexen. Malacca soll Malaysia’s Tourismusdestination Nr. 1 werden, das historische Erbe und die multikulturelle Bevölkerung aus Chinesen, Indern, Malayen und Nachfolgern der Europäer dienen als willkommenes Potential. Seit 2008 ist Malacca UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein Vergleich von 1979 und heute lässt den Wandel erahnen, der sich vor allem in den vergangenen zehn Jahren atemberaubend beschleunigt hat.

Malacca liegt knapp zwei Fahrtstunden südlich der Hauptstadt Kuala Lumpur und vier Stunden nordwestlich von Singapur. Nach dem Vorbild etwa Dubais wird es als Shopping- und Erlebnisdestination ausgebaut. Zudem ist es für viele Singapurianer zum Zweitwohnsitz geworden. Die Diashow unten zeigt mit Google Earth-Bildern, wie sich vor der Küste der alten Handelsstadt Bauflächen ins Meer schieben.

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Die Lorong Kota Laksamana markiert den Küstenverlauf noch 1979. Aber auch nördlich der Altstadt ins Landesinnere sind riesige Hotelkomplexe entstanden (siehe auch das große Bild oben).

Besonders markant ist der Fall der kleinen portugiesischen Kolonie südlich der Stadt in Ujong Pasir. Die Nachfahren der Siedler und Kaufleute des 16. Jhs. hatten dort ein Stück Land zugewiesen bekommen. Sie lebten vom Küstenfischfang, bis der unter den Aufschüttungen unmöglich wurde. Zwar wurden sie großzügig entschädigt, aber es ist schwer ihre traditionelle Lebensart zu erhalten. Dabei sind sie der lebende Beweis, dass Malacca einst in Lissabon (und Amsterdam) ein Begriff war.

Fischerboote vor der Kulisse eines Großprojektes an der Straße von Malacca

Weitere Informationen:

Malacca bei Wikipedia 

Sand wars, Al Jazeera.com 27th December 2017 

True cost of reclaimed land; THE GUARDIAN online 2 Mai 2018 

Controversial Melaka Port Project Scrapped. Straits Times Singapore online, 22 November 2020