Helden der Arbeit

Grün ist out, Kohle (Öl sowieso) ist in. Die neue Politik der Trump-Administration soll Coal Workers wieder in Arbeit bringen. Überhaupt, Arbeiter im „Blaumann“ sind bei Trump (und seinem Ideologen Bannon) jene „vergessenen Menschen“, denen er wieder politisches Gewicht geben will.  Grundsätzlich ist dies im brutalen US-Kapitalismus eine gute Idee. Wo bei uns soziale Auffangprogramme, Umschulungen und alternative Wirtschafts(förderungs)modelle stehen, regiert in den USA das Nichts. Ob allerdings ein nostalgischer Blick zurück das richtige Rezept ist, das bezweifeln viele – laut New York Times sogar die arbeitslosen Bergleute selbst.

Ich hatte vor einiger Zeit (beruflich) die Gelegenheit, eine Ölbohrplattform im ländlichen Oklahoma zu besuchen – heute Kernland der Trump-Anhänger. Die Arbeit am Bohrgestänge ist knochenhart, aber auch hochspeziell. Qualifizierte Arbeiter sind gefragt, die Löhne dort hoch. Weiter nördlich, in North Dakota, hat es einen Ölboom durch Fracking gegeben, der den Weltölmarkt durcheinander gewirbelt hat (und beinah Russland und die OPEC in die Knie zwang). Die Arbeiter an der Ölplattform sind die neuen Helden, der Job bringt das mit sich.

Hier in Oklahoma genießen die Arbeiter klimatisierte Wohn-Container und exzellentes Catering für den Lunch Break.

Die Arbeiter müssen mobil sein, sie ziehen je nach Auftrag mit der Bohrausrüstung mit. Die Firma gehörte dem Bruder eines Dozenten an der Oklahoma State University. Er wollte mit dem „little professor“ keinesfalls tauschen. Gut vorstellbar, dass die Arbeiter auch Windräder zur Energiegewinnung aufstellen könnten – ebenfalls hochqualifizierte Arbeit. Aber dazu fehlt in den sogenannten Red States der politische Anreiz.

Alternativmodell: Saarland/Germany

Das Saarland würde in den USA zum „Rust Belt“ gehören: Kohleförderung ein- und Stahlwerke abgestellt. Tatsächlich kämpft das Saarland mit dem, was wir hier „Strukturwandel“ nennen – ein Begriff, den es in den USA für den „Rust Belt“ nicht gibt. Die Bergwerke wurden aber nicht abrupt geschlossen, sondern mit langen Fristen runter gefahren. Landes- und Bundespolitik sind sich einig, dass die Umgestaltung solch einstiger wirtschaftlicher Schlüsselsektoren eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind und betroffene Regionen dafür öffentliche Mittel erhalten. Ein außergewöhnliches Beispiel für die Bewältigung des Umbruchs gibt es in Völklingen, im Herzen des früheren Saarreviers. Hier wurde die Stahlhütte als kulturelles Erbe von der UNESCO anerkannt, um so die prägende Industriekultur und -architektur zu würdigen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Stahlwerk finden Führungen statt, bei denen einstige Hüttenarbeiter die Technik der Stahlproduktion erklären. Sie dient aber auch für Ausstellungen und Konzerte. Klar, solch neue Nutzungen sind kein Modell. Sie zeigen aber, dass bei aller Neuausrichtung der Wirtschaft – schwierig und langwierig genug – die industrielle Vergangenheit nicht gelöscht wird. Das ist in den USA undenkbar. Stahlarbeiter in Pennsylvania klagen darüber, dass sie nicht nur finanziell im Stich gelassen wurden, sondern ihre jahrelange harte Arbeit in der Hütte einfach „ausgelöscht“ wurde. Dann bevorzuge ich ab und an ein Symphoniekonzert in der Gebläsehalle der Völklinger Hütte – als Erinnerung an eine Zeit, als Hochöfen und Schlote als Geräuschkulisse einer florierenden Wirtschaft galten.

Gebläsehalle im Stahlwerk Völklingen

Weitere Informationen:

Webseite der Völklinger Hütte