Wo der Gärtner ein „Green Butler“ ist

dscn0994

„Der Mörder ist immer der Gärtner“, hieß es einst in einem Lied. Während wir von unserer Gartenbank über bunte Bougainvillea-Büsche auf das frühabendliche Madurai blicken, kommt ein etwas untersetzter, freundlich lächelnder Herr auf uns zu. „I am the Green Butler“ stellt er sich vor. Ein entsprechender grün-weißer Schriftzug ist auf seiner khakifarbenen Weste aufgenäht. Er sei der Chef-Gärtner des Hotels, erklärt er uns. Aber nicht nach unserem Leben will er trachten, sondern er lädt uns vielmehr für den folgenden Tag zu einer Wanderung durch den Park ein: die Hotelanlage umfasst einen ganzen Bergkegel mit tropischen Bäumen und Büschen, Blumenbeeten und gepflegten Rasenflächen.

Das zur Taj-Gruppe gehörende Gateway Hotel ist also eigentlich ein botanischer Garten mit Hotel. Es liegt im Stadtteil Pasumalai, im Südwesten der indischen Tempelstadt. Von der Ausfallstraße Richtung Süden windet sich ein kurvenreicher Weg bergauf zur Rezeption. Die Anlage hat Ausmaße, dass man sich verirren kann. Von der Terrasse des Restaurants lassen sich die Türme des berühmten Meenakshi-Tempels erkennen. Madurai ist eine quirlige Millionenstadt, das Gateway Hotel samt Park dagegen eine Oase der Ruhe. Und die ist in indischen Metropolen etwas kostbares.

Bis in die 1950er Jahre war die Anlage Wohnsitz des (damals noch britischen) Direktors der Firma Madura Coats, noch heute ein Textilunternehmen von Weltrang. Um die einstigen Wohngebäude herum und über den Park verteilt sind die neueren Teile des Hotels, mit luxuriösen Bungalows und einem separaten Flügel mit einem Dutzend 35 qm großer Zimmer. Selbstverständlich gibt es einen großen Pool mit benachbartem Ayurveda Centre. Das Restaurantgebäude samt Gartenveranda ereicht man über eine Treppenflucht. Es bietet einen tollen Blick über Madurai. Im alten Gebäudekomplex befinden sich das Business Center, die Rezeption, die Bar und darüber – auch über eine gusseiserne Wendeltreppe erreichbar – einige große Zimmer mit pompöser Veranda und dem Blick auf eine weitere Gartenterrasse. Besonders schön ist die Vielzahl von Wandelgängen, Treppenaufgängen und Sitzgelegenheiten in Open Air-Lounges. Hier kommt der koloniale Flair ebenso zum Tragen, wie in der Bar mit ihrem dunklen Holzboden, dem Billiardraum und den schweren Sesseln. An den Wänden hängen Fotos der letzten Bewohner, die noch mit einer Ju52 der Indian Airlines von hier abreisten.

Am nächsten Morgen treffen wir uns mit dem „Green Butler“ und einer kleinen Gruppe von Hotelgästen. Graziös stolzieren Pfauen auf und ab. Sie stoßen zuweilen grelle Schreie aus, aber wir wissen auch: Pfauen halten Schlangen fern. Der Gärtner führt uns über die vielen Pfade und Wege der Anlage. Die meisten Bäumen und Pflanzen sind mit Schildern beschriftet: Tamarind, Neem, Banyan. Er erklärt uns die botanischen und oft auch ayurvedischen Besonderheiten von Blättern und Früchten. Schmetterlinge aller Art fliegen von Blüte zu Blüte, aber auch Vögel bewohnen den Park: Vom Piepmatz bis zur Eule. Die „Hotel-Eule“ kommt frühmorgens zu ihrem schattigen Baum zurück, wo sie den Tag verbringt. Dann freuen sich die drei Eulenkinder, die nebeneinander auf einem Ast sitzen. Immer morgens ruft uns der Gärtner auf unserem Weg zum Frühstück in den kommenden Tagen zu: „The owls are back!“ Und dann pirschen wir uns so nah es geht an die Eulenkinder heran. So nimmt jeder Tag einen verheißungsvollen Anfang. Welches Hotel kann das schon bieten?

dscn1048

Weitere Informationen:

Webseite des Taj Gateway Hotels in Madurai