Altstadt-Treff in Diyarbakir

Es ist still hier am Tigris, unterhalb der Altstadt von Diyarbakir. Nur ein Konzert quakender Frösche im Schilf an der alten Bogenbrücke hallt herüber. Die Brücke ist uralt, vermutlich wurde sie schon zur Zeit der Perserkönige 500 v. Chr. genutzt, als Teil der Königsstraße von Ephesus nach Susa. Die Post vom Persischen Golf an die Ägäis war damals schneller als heute. Überhaupt steht der Besucher am Kreuzungspunkt von Okzident und Orient: Nicht nur Perserkönige und Alexander der Große zogen hier vorbei, Diyarbakir war ein Grenzposten des römischen Imperiums. Frühe Kirchengeschichte spielt sich hier ab und Sassaniden, Kaliphen und orientalische Dynastien begegneten sich hier. Mossul, weiter flussabwärts am Tigris, wäre nur sechs Fahrstunden entfernt (sagt der Google Routenplaner). Es ist Mai 2014 und vom „IS“ haben wir noch nichts gehört….

Quelle: http://www.planetware.com/tourist-attractions-/diyarbakir-tr-di-di.htm
Quelle: http://www.planetware.com/tourist-attractions-/diyarbakir-tr-di-di.htm
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Dag Kapisi (in der Karte: Harput Kapisi)

Und auch vom „Wilden Kurdistan“ ist nichts zu sehen: Die vierspurige Schnellstraße hierhin von Sanliurfa war in exzellentem Zustand. Im moderneren Teil der Stadt Fast-Food-Ketten und dscn1405Shopping Malls, nur unser Hotel hoch über dem Tigrisufer lag hinter einem mit Stacheldraht bewehrten Armeegelände. Zu Fuß machen wir uns auf in die Altstadt: Die römische Mauer und vier Stadttore sind erhalten. Der Grundriss mit einem Straßenkreuz entspricht dem eines römischen Militärlagers. Wir betreten die Altstadt durch das Dag Kapisi im Norden und folgen der Gazi Caddesi.

Rechts liegt die Ulu Cami. Man erreicht die Große Moschee über einen Innenhof. Sie ist aus einer Kirche des 6. Jhs. entstanden und gleicht der Omayyaden-Moschee von Damaskus. Der dunkle Basaltstein als Baumaterial der Moschee wiederholt sich auch östlich der Gazi Caddesi bei der Mar Petyun Kirche, eine chaldäisch-katholische Kirche aus dem 4. und 5. Jh., die dem heiligen Antonius geweiht ist. In den engen Gäßchen der Altstadt wandelt man wie durch ein Labyrinth

 

und nur durch Zufall finden wir den Eingang zur Kirche. Sie ist aufwendig restauriert und am Eingang gibt es eine kleine Fotodokumentation der armenischen und katholischen Gemeinde in Diyarbakir.

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Wir stoßen auf einen Innenhof mit einem sehr schönen Cafe, ein Künstlertreff. Ein älterer Herr spricht uns an, er ist Deutschlehrer am örtlichen Gymnasium und hätte uns sehr gern in seiner Klasse. Aber dazu ist unser Besuch in Diyarbakir zu kurz. Auf dem Rückweg machen wir Station im Hasan Pasha Han, einem Rastplatz nicht unähnlich einer Karawanserei. Heute ziehen sich Cafes und Restaurants über die Galerien rund um den Innenhof, und alles ist brechend voll. dscn1408 Das war im Mai 2014. Die Atmosphäre einer „Friedensdividende“ für Kurden und Türken gleichermaßen, war greifbar. Heute, drei Jahre später sind die alten Konflikte und der Terror wieder ausgebrochen. Der bis Sommer 2015 so hoffnungsvoll verlaufende Prozess einer Festigung der parlamentarischen Demokratie in der Türkei ist einer ungewissen Zukunft gewichen. Terror von IS und PKK haben die Türkei erfasst und durch zurück gehenden Tourismus auch wirtschaftliche Schäden hinterlassen. Aber neben hausgemachten Problemen wirkt der Syrienkonflikt, der instabile Irak und die Flüchtlingsproblematik auf die Türkei ein. Militärische Fronten verlaufen quer zu Staatsgrenzen, jeder ist jedes Feindes. Und dessen Feind wiederum der beste Freund. So verwickelt sich die Türkei immer stärker in den Malstrom des „Zweistromlandes“. Wie und ob sich das Land daraus befreien kann, ist zweifelhaft. dscn1413

Weitere Informationen:

Great Mosque Diyarbakir bei Wikipedia

Diyarbakir bei Wikipedia