Aufstand der Sioux – heute und damals

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Pow-wow der Sioux in Mankato

Die nordamerikanischen Indianer kämpfen noch immer um ihre Rechte. In North Dakota mehr denn je, denn dort gefährdet ein Pipeline-Bau die Ressourcen ihres angestammten und vertraglich zugesicherten Landes. Aber die Wunden gehen viel weiter zurück, bis zur Inbesitznahme des „Wilden Westens“ durch weiße Siedler im frühen 19. Jahrhundert. Weil historische Narrative immer vom Standpunkt der „Winner“ bestimmt werden und den Pioniergeist betonen, ist die Vernichtung der Indianer – der Native Americans – nur eine Randnotiz der Geschichtsschreibung. Umso bizarrer, dass unter dem neuen US-Präsidenten mit „nativistischer Politik“ nicht etwa die Rechte der Indianer gemeint sind, sondern der Weißen (Zuwanderer), die sich von der demographischen Verschiebung im „Melting Pot“ bedroht fühlen.

dsc03830Eines jener Ereignisse, die sich gegen das herrschende Narrativ wenden, ist das jährlich im September stattfindenden Pow-wow der Sioux-Stämme in Mankato (Minnesota), eine Fahrstunde südwestlich von Minneapolis/Saint Paul. Für die Indianer ist dies ein Wacipi, ein Treffen zum gemeinsamen Tanz. Auf einem großen Platz am Rand von Mankato werden Zelte und Verkaufsstände aufgebaut, und ein ganzes Wochenende lang bewegen sich Männer, Frauen und Kinder der Stämme aus den USA und dem benachbarten Kanada  zu Gesängen und Trommelmusik auf dem Festplatz. Ein solches Wacipi verbindet die verstreute Community spirituell mit den Traditionen  ihrer Vorfahren. Im Mittelpunkt steht der Schmuck aus Adlerfedern. Der Adler ist ein heiliger Vogel, welcher Botschaften zum Schöpfer der Erde bringt. Seine Federn zu sammeln ist daher eine Ehre und ein Symbol der Stärke.

Das Wacipi in Mankato hat aber auch eine konkrete historische Bedeutung. Es soll an eine der größten Massenhinrichtungen von Indianern erinnern, die in den USA stattgefunden hat, hier in Mankato. Denn im August 1862 erhoben sich die Stämme entlang des Minnesota River, aus Hunger und Verzweiflung. Vertraglich zugesagte Lebensmittellieferungen waren unterschlagen worden. Die Indianer griffen die von deutschen Siedlern gegründete Stadt New Ulm an und brandschatzten sie. Die Einwohner mussten nach Mankato fliehen. Schließlich intervenierte die US-Armee und brachte mehrere hundert Sioux vor Militärtribunale. 38 erhielten die Todesstrafe und wurden am 26. Dezember 1862 in Mankato gehängt.

Wer das Museum der Brown County Historical Society in New Ulm besucht, erhält eine anders gewichtete Darstellung der Ereignisse von 1862: Hier stehen fleißige Siedler den kriegerischen Indianern gegenüber. Die Wunden von 1862 sind noch sehr frisch in New Ulm. Vor dem Museum steht ein Gemälde der brennenden Stadt. Besucht man das einstige Fort Ridgely, einige Kilometer weiter aufwärts am Minnesota River, so stellen dort Schautafeln den Krieg von 1862 sehr viel ausgewogener dar. Und spricht man mit Sioux-Indianern und Aktivisten in Mankato, dann ist die Verbitterung auf deren Seite offensichtlich: Die Indianer in Nordamerika seien so behandelt worden, wie Juden in Europa, sagte mir einer, dessen Frau Professorin für Native American History an der lokalen Minnesota State University ist.

Mit dem Kampf der Cheyenne in North Dakota um den Schutz ihres angestammten Landes wiederholt sich nicht etwa die Geschichte, sie war eigentlich nie zu Ende.

Weitere Informationen:

Dakota Access Pipeline bei Wikipedia

Dakota Access Pipeline, DIE ZEIT 10.2.2017

Webseite des Wacipi in Mankato, MN

Museum New Ulm

Aufstand der Sioux 1861/62 bei Wikipedia

„Battle of New Ulm“ auf Wikipedia

Dakota/Sioux bei Wikipedia